Kreativität und mentale Gesundheit: Warum kreatives Gestalten Körper und Seele guttun kann

Kritzelei mit Blümchen

Kreativität und mentale Gesundheit: Warum kreatives Gestalten Körper und Seele guttun kann

Entspannung durch kreative Beschäftigung

Ich erinnere mich noch ziemlich gut daran, wie ich in der Schule – vor allem im Mathematikunterricht – meine Hefte vollgekritzelt habe.

Mathe war mein Endgegner.

Ich konnte nie besonders viel mit Zahlen anfangen. Und je anspruchsvoller der Unterricht im Laufe meiner Gymnasialzeit wurde, desto mehr hat er mich gestresst.

Also begann ich, kleine Blüten zu zeichnen. Dicht an dicht, immer wieder dieselbe Form. Nach und nach entstand ein wunderschönes, dichtes Muster, das die Rechenaufgaben auf meinem Blatt umranken konnte.

Aber darum ging es eigentlich gar nicht.

Es hat mich entspannt.

Heute weiß ich, dass repetitive, rhythmische Bewegungen bei kreativen Tätigkeiten durchaus beruhigend wirken können. Beim Stricken, Häkeln, Zeichnen, Malen oder auch beim Ausmalen wiederholen sich bestimmte Bewegungsabläufe immer wieder. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die Tätigkeit, während störende Gedanken für eine Weile in den Hintergrund treten können.

Natürlich funktioniert das nicht bei jeder kreativen Beschäftigung automatisch. Wenn du beim Stricken ständig Maschen zählen musst und kurz vor dem Verzweifeln bist, hält sich der Entspannungseffekt vermutlich in Grenzen. 😉

Aber wenn eine Tätigkeit dich in ihren Rhythmus hineinzieht, kann daraus etwas entstehen, das viele Menschen als mentale Auszeit erleben.

Und auch die Forschung beschäftigt sich zunehmend mit der Frage, wie sich kreative Tätigkeiten auf Stress und Wohlbefinden auswirken. Studien deuten darauf hin, dass bereits relativ kurze kreative Einheiten mit Veränderungen der Stresswahrnehmung und physiologischen Stressmarkern verbunden sein können.

Eine einzelne kreative Stunde ist natürlich kein medizinisches Anti-Stress-Programm.

Aber vielleicht ist sie eine ziemlich angenehme Möglichkeit, deinem Kopf zwischendurch eine Pause zu gönnen.

Und bei mir hat das schon in der Mathe-Stunde funktioniert. 😉

Wenn die Zeit verschwindet: Kreativität und Flow

Viele Jahre später, während meiner freiberuflichen Tätigkeit als Diplom-Designerin, lernte ich dieses Gefühl noch einmal auf eine ganz andere Weise kennen.

Ich konnte mich völlig in meine Arbeit vertiefen.

Da war eine Entwurfsidee – und plötzlich entstanden daraus weitere Ideen. Formen wurden verändert, Farben ausprobiert, Varianten entwickelt. Aus einem ersten Gedanken konnte eine komplette Kollektion entstehen.

Manchmal war ich so versunken, dass ich Raum und Zeit völlig vergaß.

Und manchmal sogar das Essen.

Bis mein Magen irgendwann ziemlich unmissverständlich darauf hinwies, dass auch Kreative gelegentlich etwas zu sich nehmen sollten. 😉

Dieses völlige Aufgehen in einer Tätigkeit wird häufig als Flow bezeichnet.

Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit stark auf das, was wir gerade tun. Die Tätigkeit ist herausfordernd, aber nicht überfordernd, und wir verlieren teilweise das Gefühl für die Zeit.

Ich kenne dieses Gefühl heute wieder sehr gut von meinen Mixed-Media-Collagen.

Ich kann mit einer bestimmten Idee anfangen und plötzlich sind zwei Stunden vergangen.

Der Alltag ist für eine Weile einfach verschwunden.

Und genau das empfinde ich als unglaublich wohltuend.

Kreativität macht glücklich – aber nicht nur wegen eines „Glückshormons“

Vielleicht hast du schon einmal gelesen, dass beim kreativen Arbeiten Dopamin ausgeschüttet wird und uns deshalb glücklich macht.

So einfach ist es allerdings nicht.

Dopamin ist kein reines „Glückshormon“. Es spielt unter anderem eine wichtige Rolle bei Motivation, Lernen, Aufmerksamkeit und der Verarbeitung von Belohnung.

Und kreative Tätigkeit kann genau solche Prozesse ansprechen: Wir haben eine Idee, probieren etwas aus, entdecken eine interessante Lösung und erleben vielleicht einen kleinen Moment der Freude oder Befriedigung.

Ich kenne dieses Gefühl noch aus meiner Designzeit.

Ein Entwurf, der plötzlich genau so funktionierte, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, konnte mich regelrecht glücklich machen.

Dieses Gefühl kenne ich heute wieder, wenn ich eine Collage fertigstelle und denke:

Ja. Genau so sollte sie aussehen.

Oder – sogar fast noch schöner – wenn sie ganz anders geworden ist als geplant und mir gerade deshalb gefällt

Kreativität als Ausdruck von Gefühlen

Noch eine andere Seite der Kreativität habe ich in meiner Ausbildung zur Kunsttherapeutin kennengelernt.

Und die ist für mich bis heute besonders wichtig.

Kreatives Arbeiten kann nicht nur entspannen oder Freude machen. Es kann auch eine Möglichkeit sein, Gefühle auszudrücken, für die uns manchmal schlicht die Worte fehlen.

In der Kunsttherapie werden kreative Methoden deshalb unter anderem genutzt, um innere Erfahrungen sichtbar zu machen und einen Zugang zu Gefühlen und persönlichen Themen zu ermöglichen.

Das habe ich selbst sehr eindrücklich erfahren.

Der Keim der Hoffnung

Eine schwere Trauerphase war letztlich der Grund, warum ich mich überhaupt für eine Ausbildung in Kunsttherapie entschieden habe.

Ich war in tiefer Trauer wegen eines schweren Verlustes und hatte irgendwann das Bedürfnis, dieser Trauer einen Ausdruck zu geben.

Also nahm ich Pinsel und Farben.

Dazu lief Musik, die meine Stimmung noch verstärkte. Und dann ließ ich einfach geschehen, was geschehen wollte.

Es entstand ein großes abstraktes Bild.

Dunkle Farben dominierten: viel Schwarz und Grau, erdiges Braun und Oliv. Dazwischen Blutrot.

Es war kein Bild, das ich „schön“ nennen würde.

Aber es war ehrlich.

Meine Gefühle waren auf dieser Leinwand plötzlich sichtbar. Schmerz, Verzweiflung, Trauer – alles durfte da sein.

Meine Seele bekam den Raum, den sie in diesem Moment brauchte.

Worte hätten das, was in mir vorging, nicht annähernd so ausdrücken können.

Nach einigen Stunden fühlte ich eine gewisse Erleichterung.

Am nächsten Tag betrachtete ich das Bild noch einmal.

Und plötzlich konnte ich es nicht mehr so stehen lassen.

Ich nahm wieder die Farben zur Hand und ergänzte kleine, hellgrüne, aufstrebende Formen.

Aus dem dunklen Sumpf wuchs etwas empor.

Ich nannte das Bild „Der Keim der Hoffnung“.

Dieser kleine grüne Aufbruch veränderte für mich das gesamte Bild.

Und vielleicht auch etwas in mir.

Das Bild hat mich viele Jahre begleitet. Immer wieder erinnerte es mich daran, dass auch sehr dunkle Zeiten nicht zwangsläufig das Ende bedeuten.

Irgendwo kann bereits ein kleiner Keim von etwas Neuem stecken.

Kreativität ist für mich Selbstfürsorge

Wenn ich heute auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblicke, in denen ich auf ganz unterschiedliche Weise kreativ gearbeitet habe, zieht sich ein roter Faden durch mein Leben:

Kreativität tut mir gut.

Nicht immer auf dieselbe Weise.

Manchmal entspannt sie mich.

Manchmal macht sie mich glücklich.

Manchmal bringt sie mich in diesen wunderbaren Zustand, in dem ich völlig die Zeit vergesse.

Manchmal hilft sie mir, Gedanken zu sortieren.

Und manchmal gibt sie Gefühlen einen Ausdruck, für den ich keine Worte finde.

Dabei geht es überhaupt nicht darum, ein „gutes“ Bild zu produzieren.

Du musst keine Künstlerin sein.

Du musst nicht zeichnen können.

Du musst auch niemandem zeigen, was du gemacht hast.

Du darfst einfach ausprobieren.

Mit Farben spielen. Papier zerreißen. Etwas kleben. Wieder übermalen. Etwas entstehen lassen, das du vorher überhaupt nicht geplant hast.

Vielleicht entsteht dabei ein Bild.

Vielleicht eine neue Idee.

Vielleicht ein Gefühl von Ruhe.

Oder einfach nur eine Stunde, in der du nicht über deine To-do-Liste nachgedacht hast.

Für mich gehört Kreativität deshalb inzwischen genauso zum Leben wie gesunde Ernährung und Bewegung. Sie ist eine Form von Selbstfürsorge.

Und vielleicht ist sie auch eine kleine Einladung, uns selbst immer wieder daran zu erinnern:

Wir müssen nicht alles leisten.

Wir müssen nicht alles optimieren.

Wir dürfen auch einfach einmal etwas tun, weil es uns guttut.

Lust bekommen, selbst kreativ zu werden?

Genau darum geht es bei MentalArtistry.

Ich möchte zeigen, wie wohltuend und inspirierend kreatives Arbeiten sein kann – und dass dafür weder besonderes Zeichentalent noch ein Kunststudium nötig ist.

Mixed Media und Collage bieten unendlich viele Möglichkeiten, mit Farben, Formen und Materialien zu experimentieren, neue Perspektiven zu entdecken und einfach einmal aus den gewohnten Denkbahnen auszusteigen.

Auf MentalArtistry findest du deshalb nicht nur Beiträge über Kreativität, mentale Gesundheit und geistige Beweglichkeit, sondern auch Einblicke in meine eigene kreative Arbeit.

Und wenn du selbst einmal ausprobieren möchtest, was passiert, wenn Schere, Papier, Farbe und ein bisschen Neugier zusammenkommen:

Vielleicht sehen wir uns ja in einem meiner Workshops.

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