Gelli-Prints gestalten: Mit Farbe, Mustern und ungewöhnlichen Werkzeugen experimentieren
Manchmal entstehen die schönsten kreativen Ideen nicht dann, wenn man genau weiß, was man machen möchte. Sondern wenn man einfach anfängt, Dinge auszuprobieren.
Bei mir begann es mit einem Stapel alter Gelli-Prints, die mir nicht so gut gefallen haben. Ein Gelli-Print ist für mich selten endgültig. Wenn mir ein Druck nicht gefällt, kommt er nicht in den Papierkorb, sondern bekommt eine weitere Farbschicht, ein neues Muster oder einen zusätzlichen Abdruck. Manchmal wird er dadurch zunächst noch unübersichtlicher. Aber gerade diese mehrfach überlagerten Schichten können später besonders interessante, vielschichtige Drucke ergeben. Was auf einer einzelnen Ebene vielleicht nicht funktioniert, kann im Zusammenspiel plötzlich genau richtig sein.
Das Ergebnis? Ein paar neue Arbeiten, die mir richtig gut gefallen. Und die mich daran erinnert haben, wie viel Freude es macht, mit Farben, Mustern und Strukturen zu spielen – ganz ohne von Anfang an zu wissen, was am Ende dabei herauskommen soll.
In diesem Beitrag zeige ich dir, wie aus einzelnen Monoprints neue Bildkompositionen entstehen können, welche ungewöhnlichen Druckwerkzeuge sich dafür eignen und warum es sich lohnt, beim kreativen Gestalten auch einmal vom ursprünglichen Plan abzuweichen.
Was sind Gelli-Prints eigentlich?
Gelli-Printing oder auf Deutsch „Gel-Druck“ ist eine einfache und vielseitige Drucktechnik, bei der mit einer weichen Gel-Druckplatte, Farbe und Papier gearbeitet wird. Die Farbe wird auf der Platte verteilt und anschließend auf Papier übertragen. Je nachdem, wie du die Farbe aufträgst, welche Materialien du verwendest und wie du die Druckplatte bearbeitest, entstehen ganz unterschiedliche Ergebnisse.
Die einzelnen Drucke werden häufig als Gelli-Prints oder Monoprints bezeichnet. Es entstehen dabei individuelle Drucke, die sich in dieser Form nicht exakt wiederholen lassen.
Das Besondere für mich ist die Mischung aus Planbarkeit und Überraschung. Ich kann Farben auswählen, Strukturen anlegen und Muster ausprobieren. Wie das Ganze am Ende tatsächlich auf dem Papier aussieht, lässt sich aber nicht vollständig kontrollieren.
Und genau das macht für mich einen großen Teil des Reizes aus.
Wenn aus ungeliebten Drucken neues Material wird
Ich hatte einen ganzen Stapel Gelli-Prints gesammelt, die mir nicht besonders gut gefielen. Anstatt sie endgültig auszusortieren, habe ich beschlossen, sie noch einmal anders zu betrachten.
Vielleicht lag es gar nicht an jedem einzelnen Druck. Vielleicht fehlte einfach der richtige Zusammenhang.
Zunächst habe ich weitere Papiere in zwei Farbrichtungen bedruckt: einmal in Blau- und Grüntönen, am nächsten Tag dann in Rosa und Braun. Dabei entstanden ganz unterschiedliche Flächen. Einige habe ich mehrfach mit der Gelli Plate überdruckt, andere bewusst schlicht gelassen.
Die leuchtend grüne Fläche in einer meiner neuen Arbeiten ist dafür ein gutes Beispiel. Sie braucht keine zusätzlichen Muster, um interessant zu sein. Gerade im Zusammenspiel mit den strukturreicheren Flächen darunter bekommt sie ihre Wirkung.
Denn beim Gestalten geht es nicht immer darum, möglichst viel auf eine Fläche zu bringen. Manchmal braucht es auch einen ruhigeren Bereich, der den anderen Elementen Raum lässt. Gerade das Zusammenspiel zwischen ruhigeren Flächen und Mustern, zwischen stilleren Farben und lauten Farben – das macht für mich den Reiz aus.
Druckwerkzeuge? Schau dich einfach einmal um!
Für manche Muster habe ich die Gelli Plate verwendet, für andere brauchte ich überhaupt keine Druckplatte. Ich habe einfach geschaut, welche Gegenstände interessante Spuren hinterlassen könnten.
Dabei kamen ziemlich ungewöhnliche Hilfsmittel zum Einsatz:
Klopapierrollen: Ich habe die Papprollen gefaltet und damit eigene Druckformen erzeugt.
Ein Kartoffelstampfer: Auch Küchenutensilien können überraschende Muster hervorbringen.
Verpackungswellpappe: Ihre geriffelte Oberfläche eignet sich wunderbar, um Strukturen aufs Papier zu bringen.
Man muss also nicht unbedingt spezielles Werkzeug kaufen, um neue Muster zu entdecken. Ich vermeide es weitgehend, auf fertige Schablonen zurück zu greifen. Nur eine kleine Lochschablone und eine große Schablone mit Polka-Dots durften bei mir Einzug halten. Oft reicht nämlich ein Blick auf die Dinge, die ohnehin schon da sind.
Probiere einfach aus, welche Spuren ein Gegenstand hinterlässt. Drücke ihn in etwas Farbe und teste ihn zunächst auf einem Reststück Papier. Du kannst Linien, Punkte, Bögen oder unregelmäßige Abdrücke erzeugen. Manches wird sofort interessant, anderes vielleicht erst, wenn du es mit einer zweiten Farbe überdruckst.
Und wenn ein Versuch nicht gelingt? Dann ist es eben ein Versuch. Nicht jedes Stück Papier muss gleich zum Kunstwerk werden.
Mit Farbe und Muster eine neue Komposition entwickeln
Als die neuen Drucke fertig waren, begann für mich der eigentlich spannende Teil: das Zusammenstellen.
Ich habe die verschiedenen Papiere nebeneinandergelegt, verschoben, gedreht und immer wieder neu kombiniert. Meistens kamen drei bis fünf unterschiedliche Papiere in einer Arbeit zusammen.
Dabei ging es mir nicht darum, möglichst viele schöne Einzelstücke unterzubringen. Die Farben und Muster sollten miteinander harmonieren, sich aber auch gegenseitig interessant machen.
Einige Flächen waren lebhaft und unregelmäßig, andere ruhiger. Manche Farben bildeten einen deutlichen Kontrast, andere gingen beinahe ineinander über.
Das erinnert mich an meine Zeit als Textildesignerin. Auch damals habe ich mit Flächen, Mustern, Wiederholungen und Farbzusammenstellungen gearbeitet. Ein Muster wirkt schließlich nicht isoliert, sondern immer auch im Verhältnis zu dem, was daneben liegt.
Diese Art des Gestaltens mag ich sehr. Ich kann mich ganz auf Farbe, Form, Rhythmus und Struktur konzentrieren, ohne dass unbedingt eine Figur oder eine konkrete Geschichte im Mittelpunkt stehen muss.
Wenn die Druckplatte kleiner ist als das Bildformat
Die Gel-Druckplatten gibt es in unterschiedlichen Formaten. Meistens verwende ich die 20×25 cm große Platte, weil ich darauf sehr gut auch einfaches Druckerpapier bearbeiten kann. Wenn aus den Papieren jedoch größere Collagen entstehen sollen, läuft man bei kleinen Papierschnipseln Gefahr, dass das Bild zu kleinteilig wird.
Meine neue Bilderserie habe ich auf 30×30 cm Großen Malpappen gefertigt – ansetzen in der Länge blieb also nicht aus. Das klingt zunächst nach einem Nachteil. Aber solche Einschränkungen gehören zum kreativen Prozess dazu. Man muss überlegen, wie die einzelnen Bereiche zusammenpassen, wo sich Übergänge ergeben und ob diese überhaupt stören.
Nicht jede Begrenzung lässt sich vermeiden. Manchmal führt sie aber auch zu Lösungen, auf die man ohne sie gar nicht gekommen wäre.
Eine kleine Übung: Gestalte deine eigene Muster-Collage
Wenn du Lust bekommen hast, selbst mit Farben und Mustern zu experimentieren, brauchst du dafür weder besonders viel Erfahrung noch teures Material.
Das brauchst du:
Drei bis fünf bedruckte oder bemalte Papiere
Eine Unterlage, beispielsweise eine Malpappe oder einen festen Karton
Schere und Acrylbinder
Optional: Stempel, Papprollen, Wellpappe oder andere Gegenstände, mit denen du Muster erzeugen kannst
So kannst du vorgehen:
1. Wähle eine Farbrichtung.
Entscheide dich zunächst für zwei oder drei Farben, die du gern miteinander kombinieren möchtest. Das können beispielsweise Blau und Grün, Rosa und Braun oder auch kräftige Komplementärfarben sein.
2. Erzeuge unterschiedliche Flächen.
Lass einige Papiere eher ruhig und gestalte andere mit Mustern, Linien oder Strukturen. Du kannst mit einer Gelli Plate drucken oder einfach Farbe und selbst gemachte Stempel verwenden.
3. Lege deine Papiere aus.
Schneide oder reiße unterschiedliche Formen aus und ordne sie auf deiner Unterlage an. Klebe noch nichts fest. Verschiebe die einzelnen Teile und probiere aus, was gut zusammen passt.
Welche Farben passen für dich zusammen? Wo entsteht Spannung? Welche Fläche ist vielleicht zu dominant? Braucht deine Komposition noch ein Muster – oder wäre gerade eine ruhige Fläche sinnvoll?
5. Entscheide aus dem Bauch heraus.
Du musst keine festen Gestaltungsregeln befolgen. Wenn dir eine Kombination gefällt, ist das zunächst einmal ein guter Grund, sie auszuprobieren. Und wenn du später etwas verändern möchtest, darfst du das natürlich auch.
Vielleicht entsteht eine harmonische Komposition, vielleicht eine wilde Mischung aus Farben und Formen. Beides ist in Ordnung. Es geht nicht darum, ein perfektes Ergebnis zu produzieren, sondern herauszufinden, was dir gefällt.
Warum ich das freie Experimentieren so mag
Wenn ich mit Gelli-Prints und selbst gemachten Stempeln arbeite, weiß ich vorher selten genau, wie das Ergebnis aussehen wird. Ich probiere etwas aus, schaue mir die Wirkung an und entscheide dann, wie es weitergeht.
Manchmal entsteht dabei ein Druck, der sofort überzeugt. Manchmal landet er erst einmal auf einem Stapel und wird später zu einem Teil einer ganz anderen Arbeit.
Für mich liegt darin eine besondere Freiheit. Ich muss nicht von Anfang an eine fertige Idee umsetzen. Ich darf mich überraschen lassen, etwas verändern und neue Möglichkeiten entdecken.
Gerade beim Kombinieren von Farben und Mustern wird mir bewusst, wie unterschiedlich unsere Wahrnehmung sein kann. Was für mich harmonisch wirkt, empfindet jemand anderes vielleicht als unruhig. Was ich zunächst für zu auffällig halte, kann in einer anderen Zusammenstellung plötzlich genau richtig sein.
Es gibt nicht immer die eine richtige Lösung. Und das ist beim kreativen Gestalten eine ausgesprochen angenehme Erfahrung.
Bei MentalArtistry interessiert mich deshalb nicht nur das fertige Bild. Mich fasziniert auch der Weg dorthin: das Wahrnehmen, Ausprobieren, Beobachten und Reflektieren. Was passiert, wenn ich eine Farbe hinzufüge? Wie verändert sich die Wirkung, wenn ich ein Muster verschiebe? Was passiert, wenn ich die Größe verändere? Und wann habe ich das Gefühl, dass die einzelnen Teile zusammenpassen?
Solche Fragen lassen sich nicht immer nach festen Regeln beantworten. Manchmal muss man es einfach ausprobieren.
Du musst nicht zeichnen können, um kreativ zu sein
Vielleicht gehörst du zu den Menschen, die gern kreativ wären, aber beim Gedanken an ein leeres Blatt schon wieder aufgeben. Weil sie glauben, nicht gut genug zeichnen zu können. Weil sie keine Idee haben. Oder weil sie befürchten, am Ende etwas zu produzieren, das ihnen nicht gefällt.
Dann könnte das Experimentieren mit Farbe und Muster ein schöner Einstieg sein.
Du musst keine realistischen Figuren zeichnen und keine ausgefeilte Bildidee entwickeln. Du kannst mit einfachen Flächen beginnen, Farben kombinieren, Spuren hinterlassen und beobachten, was daraus entsteht.
Vielleicht gefällt dir das Ergebnis sofort. Vielleicht möchtest du es verändern. Und vielleicht entdeckst du dabei eine Gestaltungsweise, die dir besonders liegt.
Nicht jedes Experiment muss zu einem fertigen Kunstwerk werden. Manchmal reicht es schon, sich eine Weile mit Farben und Formen zu beschäftigen und dabei etwas Neues auszuprobieren.
Denn Kreativität beginnt nicht erst mit einer guten Idee. Manchmal beginnt sie mit einer alten Papprolle, ein bisschen Farbe und der Neugier, was wohl passiert.
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